Charakteristika

Fachhochschulwesen

Im Mai 1993 verabschiedete der Österreichische Nationalrat das "Bundesgesetz über Fachhochschul-Studiengänge" (FHStG), mit dem Ziel die Hochschulbildung in Österreich auf eine breitere Basis zu stellen. Fachhochschul-Studiengänge werden von juristischen Personen des privaten oder öffentlichen Rechts beantragt und, nach Genehmigung durch den Fachhochschulrat, von diesen Rechtspersonen ("Erhalter") geführt. Die Anerkennungsdauer für Fachhochschul-Studiengänge beträgt maximal fünf Jahre. Ein weiteres Charakteristikum dieses Sektors ist das System der gemischten Finanzierung. Im Unterschied zu den Universitäten haben Fachhochschul-Studiengänge einen praxisorientierten Schwerpunkt und beinhalten deshalb im Curriculum ein in die Studiendauer einzurechnendes verpflichtendes Berufspraktikum. Die Anzahl der Studierenden pro Jahr und Studiengang ist beschränkt, aus diesem Grund ist ein Aufnahmeverfahren vorgesehen. Beim Studium besteht Anwesenheitspflicht. Grundsätzlich ist die fachliche Zugangsvoraussetzung zu einem FH-Bachelor- oder einem FH-Diplomstudiengang die allgemeine Universitätsreife (Matura, Berufsreifeprüfung, universitäre Studienberechtigungsprüfung) oder eine studienrelevante berufliche Qualifikation. Die fachliche Zugangsvoraussetzung zu einem FH-Masterstudiengang ist ein abgeschlossener facheinschlägiges FH-Bachelorstudiengang oder der Abschluss eines gleichwertigen Studiums an einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung.

Die Sorbonne-Erklärung im Jahr 1998 betonte die Schaffung des Europäischen Hochschulraumes zur Förderung der Mobilität und der arbeitsmarktbezogenen Qualifizierung. Die dort dargelegten Grundsätze wurden durch die 1999 abgegebene Bologna-Erklärung der Europäischen Bildungsminister bekräftigt z. B. durch die Einführung leicht verständlicher und vergleichbarer akademischer Abschlüsse und mit der Einführung eines Systems, dass sich auf zwei Hauptzyklen stützt (Erstabschluss-"undergraduate" und Zyklus nach dem ersten Abschluss-"graduate"), wobei die Befähigungen im Vordergrund stehen. Die Einführung dieser Abschlüsse wird im Zusammenhang mit der Anrechnung von Studienzeiten nach European Credit Transfer System (ECTS) ebenfalls die Mobilität der Studierenden erhöhen.

Mit der vom Nationalrat beschlossenen Novelle zum Fachhochschul-Studiengesetz (28. Februar 2002) gibt es seit dem Studienjahr 2003/04 drei Arten von Fachhochschul-Studiengängen: Bakkalaureats-, Magister- und Diplom-Studiengänge. Seit der Änderung des Fachhochschul-Studiengesetzes (30. März 2006) gelten diese nun als Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge. Die Studienzeit beträgt für FH-Bachelorstudiengänge 6 Semester, für FH-Masterstudiengänge 2 bis 4 Semester und in FH-Diplomstudiengängen 8 bis 10 Semester. Die einen FH-Masterstudiengang oder einen FH-Diplomstudiengang abschließende Diplomprüfung setzt sich aus der Abfassung einer Diplomarbeit und einer kommissionellen Prüfung zusammen.

Nach Abschluss eines Masterstudienganges im technischen Bereich wird der akademische Grad „Diplom-Ingenieurin/Diplom-Ingenieur“, im nicht-technischen Bereich der akademische Grad „Master“, jeweils mit einem die Berufsfelder kennzeichnenden Zusatz, verliehen. An FH-Bachelorstudiengängen sind im Rahmen von Lehrveranstaltungen eigenständige schriftliche Arbeiten (Bachelorarbeiten) abzufassen, die abschließende Bachelorprüfung wird in kommissioneller Form abgehalten. In diesem Bereich wird der akademische Grad „Bachelor“, ebenfalls mit einem die Berufsfelder kennzeichnenden Zusatz, verliehen. Im technischen Bereich wird nach Abschluss eines Diplomstudienganges der akademische Grad „Diplom-Ingenieurin (FH)/Diplom-Ingenieur (FH)“, im nicht-technischen Bereich der akademische Grad „Magistra (FH)/Magister (FH)“, jeweils mit einem die Berufsfelder kennzeichnenden Zusatz, verliehen.

Der erfolgreiche Abschluss eines FH-Master- oder FH-Diplomstudienganges berechtigt zu einem facheinschlägigen Doktoratsstudium an einer Universität, welches im Falle einer im Vergleich mit den facheinschlägigen Master- oder Diplomstudien an den Universitäten kürzeren Studiendauer um die Differenz verlängert wird.

Ein weiteres Charakteristikum des Fachhochschulwesens ist das System der gemischten Finanzierung. Der Bund übernimmt 90% der Normkosten pro Studienplatz unter der Voraussetzung, dass einem festgesetzten Kriterienkatalog entsprochen wird. Die Kosten für Gebäude, Investitionen und ein Teil der laufenden Kosten werden vom Erhalter des Fachhochschul-Studienganges getragen (Länder und Gemeinden oder andere öffentliche und private Institutionen übernehmen einen Teil der Kosten).

Im Studienjahr 2006/2007 werden 115 FH-Bachlor- und 33 FH-Masterstudiengänge angeboten, weiters 45 FH-Diplomstudiengänge. Die Bachelor- und Masterstudiengänge resultieren hauptsächlich aus der Überführung bestehender FH-Diplomstudiengänge, diese nehmen ab diesem Zeitpunkt keine neuen Studierenden mehr auf.

Der neue Fachhochschul-Entwicklungs- und Finanzierungsplan III (FH-EF III), mit dem die Fachhochschulentwicklung von 2005/06 bis 2009/10 festgelegt wird, wurde am 22. Juni 2004 vom Ministerrat zur Kenntnis genommen und ist mit Oktober 2005 in Kraft getreten.

 

Pädagogische Hochschulen

Die Bologna-Erklärung 1999 sieht eine europäische und internationale Vergleichbarkeit von Universitäts- und Hochschulstudien vor. Aus diesem Grund wurde vom Nationalrat am 7. Dezember 2005 das Hochschulgesetz 2005 verabschiedet (BGBl. I 30/2006). Das Bundesgesetz sieht die Eingliederung der bisherigen Akademien für die Lehreraus- und Weiterbildung (einschließlich der Pädagogischen Institute), das sind 51 Institutionen, in den tertiären Bildungssektor vor. Wobei im Interesse der Verwissenschaftlichung, der Forschung und der Effizienzsteigerung die Anzahl durch Zusammenfassungen wesentlich verringert werden soll.

Die Bezeichnung „Pädagogische Hochschule“ wurde nach internationalen Vorbildern gewählt und es handelt sich dabei weder um Universitäten noch um Fachhochschulen sondern um Hochschulen besonderer Art. Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich ist gemäß Hochschulgesetz 2005 eine öffentliche Pädagogische Hochschule, hat eine eigene Rechtspersönlichkeit. Sie hat die Aufgabe wissenschaftlich fundierte berufsfeldbezogene Bildungsangebote in den Bereichen der Aus-, Fort- und Weiterbildung in pädagogischen Berufsfeldern, insbesondere in Lehrberufen, durchzuführen. Als Organe der Pädagogischen Hochschule sind der Hochschulrat, das Rektorat und die Studienkommissionen einzurichten.